Es war so schön... Ein Abschiedsbrief der Pastorinnen
Diesen Abschied in Worte zu fassen, fällt uns schwer. Vielleicht, weil wir selbst noch nicht ganz begreifen, dass wir wirklich gehen. Als wir vor drei Jahren nach Osnabrück kamen, war das nicht als Zwischenstation gedacht. Die Kirchstraße sollte ein Zuhause werden. Ein Ort, an dem wir ankommen. Einer, an dem wir bleiben. Und genau deshalb tut das Gehen jetzt weh.
In den vergangenen Jahren ist St. Michaelis für uns viel mehr geworden als eine Gemeinde. Hier haben wir nicht nur gearbeitet. Hier haben wir gelebt. Wir haben gemeinsam gelacht, manchmal bis die Tränen kamen, und manchmal sind die Tränen auch aus ganz anderen Gründen geflossen. Wir haben miteinander gefeiert, gehofft,gerungen, gezweifelt und geglaubt.
Für Ellen sind es besonders die Gottesdienste, die ihr fehlen werden: die Momente, in denen Menschen zusammenkommen, ihre Stimmen erheben, ihre Sorgen und Hoffnungen mitbringen und gemeinsam nach Gott suchen. „Hier durfte ich Gott loben, ohne dass sich jemand durch Formen und Erwartungen einengen lassen musste. Das hat auch meinen eigenen Glauben verändert und gestärkt.“ Für Steffi sind es die Kinder und Jugendlichen, die Freizeiten, die Konfi-Zeit und die vielen Begegnungen. „Zu erleben, wie junge Menschen ihren Weg suchen und finden, hat mich berührt. Manchmal hat es mich ratlos gemacht, manchmal an meine Grenzen gebracht und oft einfach begeistert. Vor allem aber habe ich dabei unglaublich viel selbst gelernt.“
Wenn wir heute auf diese Jahre zurückblicken, sehen wir nicht zuerst Projekte, Veranstaltungen oder Termine. Wir sehen Gesichter. Menschen, die uns Vertrauen geschenkt haben. Menschen, die uns in ihr Leben gelassen haben. Aus Begegnungen wurden Beziehungen, aus Zusammenarbeit manchmal sogar Freundschaft. Wir durften Taufen feiern und Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten. Wir standen mit Familien an Krankenhausbetten und an festlich gedeckten Hochzeitstafeln. Wir haben Kinder wachsen sehen, Abschiede ausgehalten und Neuanfänge begleitet. Wir waren Zeuginnen von so vielen Geschichten.
Vielleicht fühlt sich dieser Abschied deshalb tatsächlich ein wenig wie Liebeskummer an. Nicht, weil etwas Schlimmes passiert ist. Sondern gerade weil so viel gut war. Weil wir einen Ort verlassen, der uns ans Herz gewachsen ist. Weil wir Menschen zurücklassen, die uns wichtig geworden sind. Weil wir uns hier zuhause gefühlt haben.
Natürlich freuen wir uns auf das, was vor uns liegt. Aber das macht das Loslassen nicht leichter. Deshalb gehen wir mit Dankbarkeit. Und mit einem Herzen, das gleichzeitig schwer ist und voller schöner Erinnerungen. Danke für euer Vertrauen. Danke für eure Offenheit. Danke für all die Begegnungen, Gespräche, Umarmungen, Diskussionen, Gottesdienste und gemeinsamen Wege.
St. Michaelis wird immer ein Teil unserer Geschichte bleiben. Und ein Teil unseres Herzens auch.